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Beiträge vom Oktober 2008

Misslungene Privatisierung einer Hühnerkolchose

18. Oktober 2008 · 5 Kommentare

Huhn

Ehemalig sozialistische Staatshenne: Don't eat me this way

In Ungarn gab es in der Zeit des Staatssozialismus natürlich, genauso wie in allen anderen Ländern des sozialistischen Lagers, die kollektivierte Landwirtschaft. Nach der Wende 1989/90 wurden diese Großbetriebe privatisiert, wobei – so ein häufig vernommener Vorwurf der Nicht-Sozialisten hier in Ungarn – die Sozialisten aufgrund ihrer Kontakte in der Lage waren, sich die attraktivsten Betriebe für eine Handvoll Forint unter den Nagel zu reißen. Der derzeitige Ministerpräsident, Ferenc Gyurcsány, hat in dieser Zeit das Fundament gelegt für sein Vermögen, das mittlerweile die Grenze von 1 Milliarde Forint (das sind nur ungefähr 4 Millionen €, aber „Forintmilliardär“ klingt so richtig nach bösem Industriemagnat) überschritten hat. Das weiß jeder in Ungarn.

Durch unseren Aufenthalt am ungarischen Parlament konnten wir aber einen echten Skandal der Privatisierung im Bereich der Landwirtschaft aufdecken. Ganz offensichtlich ist es der Verwaltung des Parlaments gelungen, unmittelbar nach der Wende eine größere Geflügelkolchose (dem Vernehmen nach in der Nähe von Kiskunfélegyháza [sprich: Kischkuhnfehledjhahsa]) für einen Apfel und ein…, also, auf jeden Fall für einen sehr günstigen Preis zu übernehmen. Woher wir das wissen? Nun, man muss nur mal einen Blick werfen auf die Speisekarte der Parlamentskantine (die übrigens auf den schönen Namen „Gala Party Service“ hört):

Montag: Hähnchenschnitzel mit Reis

Dienstag: Hähnchenkeule mit Pommes

Mittwoch: Paniertes Hähnchenbrustfilet mit Kartoffeln

Donnerstag: Hühnergulasch, dazu auf Wunsch ein Ei

Freitag: Hähnchenschaschlik mit Paprika

Vielleicht werde ich hier noch zum Vegetarier. Oder ich esse im Dezember in Deutschland einen Monat lang nur Schweinefleisch. Jeden Tag.

[Bild: Wikipedia, Lizenz]

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