Man sollte sich als Leser den Gefallen tun, einfach mal nur die Antworten Helmut Schmidts zu lesen, die mit „Nein“ (ersatzweise: „Nee“) beginnen. Man wird dann dreierlei feststellen. Erstens: Helmut Schmidt antwortet recht oft mit „Nein“. Zweitens: Bei jedem „Nein“ Helmut Schmidts geht man als Leser in Habachtstellung. Drittens: Hinter jedem „Nein“ hört man den imaginären Satz: „Ach, Kinder, nun bleibt doch mal auf dem Teppich; so wild ist das doch alles nicht.“ Man kann, mit anderen Worten, dieses lange Helmut-Schmidt-Interview auch als Therapeutikum lesen. Es beruhigt die Nerven wie Yoga oder Ikonenmalen. Es wiegt den Leser in der Gewissheit, dass er sich keine Sorgen zu machen braucht, dass jede Aufregung im Grunde doch nur künstlich ist. Es handelt sich hier also um einen Ruhig-Blut-Appell in Frage-Antwort-Form.
Christian Geyer in der FAZ (22.04., S. 34) über das jüngst erschienene Interviewbuch „Auf eine Zigarette mit Helmut Schmidt„.