Als ich wenig später auf der Westautobahn Richtung Heimat fuhr, hupte mich freudig eine Vielzahl von niedlichen Pappautos an, die wohl über Ungarn den Weg nach Westen gesucht hatten. In ihnen saßen Menschen, die gekleidet waren wie Zonen-Gabi. Dass in genau diesem Moment eine FDJ-Sekretärin für Agitation und Propaganda bei einem in den Wendewirren aus der Kantine stibitzten Glas Spreewaldgurken einen 20-Jahres-Masterplan entwickelte, um die Macht zu übernehmen, Westdeutschland in die Planwirtschaft zu überführen, Banken zu enteignen und Großbetriebe zu verstaatlichen – wenn ich mich recht erinnere, hatte ich nicht einmal den Schatten eines Verdachts.
Martin Sonneborn über die Wende in der DDR (FAZ 06.05., S. B6).
2 Antworten bis hierher ↓
Svenja-and-the-City // 7. Mai 2009 um 12.53
Trunken vor Freude habe ich im Wendejahr einmal einen 10 Markschein unter den Scheibenwischer eines Trabbi geklemmt.
Heute tue ich das nur noch selten.
tapastalatukat // 16. Mai 2009 um 19.06
Wobei die Leute heute schon fast trunken vor Freude sind, wenn sie einen der seltenen Trabbis erblicken…
So wie die Geschäfte samstags auf dem Land ab 16 Uhr, sind die Kommentare geschlossen.